Um darzustellen, welche Faktoren innerhalb eines Gestaltungsprozesses auf der Ebene der umgebenden Faktoren zu bewältigen sind, unterteile ich den Gestaltungsprozess im ersten Kapitel des Buches in sechs Phasen. Dabei markieren die Phasen Zeiträume innerhalb unseres Schaffensprozesses, in denen substantielle Konzentrationsschwerpunkte zu bewältigen sind. Mit Hilfe dieses Phasenmodells lässt sich die wahre Komplexität eines Gestaltungsprozesses sichtbar machen. Im Folgenden werden drei der sechs Phasen vorgestellt und ihre Konzentrationsschwerpunkte angerissen.



Phase 1: Moderationsphase

Die Moderationsphase bildet die Geburtsstunde des Projektes. Die Anwesenheit aller Beteiligten ist daher enorm wichtig, damit später im Projektverlauf ein guter Projektfluss garantiert ist. Sie bildet den Ursprung, den Charakter, die Herkunft des Projektes und alle resultierenden Entscheidungen. Hier werden Konzept- und Leitideen hervorgebracht.

Konzentrationsschwerpunkte

1. Die Erschaffung einer Projektgemeinschaft und eines Projektflusses, um wichtige psychologische Strukturen entstehen zu lassen und die Produktivität des Einzelnen zu steigern

2. Das gemeinsame Erarbeiten eines Projektkerns, um das Verantwortungsgefühl für das Projekt und die Motivation der Teammitglieder zu fördern
3. Das Aufbauen eines Kommunikationsraumes und die Moderation von Gesprächsverläufen, um die Effizienz in chaotisch anmutenden Diskussionen zu erhöhen



Phase 4: Liminalitätsphase

Die Liminalitätsphase ist objektiv gesehen die entscheidende Phase in einem Gestaltungsprozess. Es geht darum dem erarbeiteten Fundament und der festgelegten Konzeption die passende Gestalt zu verleihen. Hier entscheidet sich also, ob man es schafft, das Projekt mit seinem inhaltlich ausgearbeiteten Charakter angemessen darzustellen. Ab jetzt rückt die eigentliche handwerkliche Tätigkeit des Gestalters in den Fokus des Arbeitsprozesses.

Konzentrationsschwerpunkte

1. Einleitung des Projektteams von einer gemeinschaflichen Gedankenfindungsphase in eine Phase der Umsetzung.

2. Die Bereitstellung eines respektvollen Raumes für die Entwurfsfindung, der die Entwerfenden unterstützt und dabei das Ziel nicht verliert



Phase 6: Realisationsphase

Die Realisationsphase leitet die Finalisierung des Projektprozesses ein. Nun zeigt sich, wie gut das Team in den letzten Tagen, Monaten oder Jahren zusammen gearbeitet hat. Diese Phase muss bewusst eingeleitet werden. In einer großen Organisationsbesprechung wird das ganze Team zusammen geholt und man spricht gemeinsam über die letzten Tage, Wochen bis zur Finalisierung. Damit ein Projekt erfolgreich abgeschlossen werden kann, ist der Endspurt meistens entscheidend.

Konzentrationsschwerpunkte

1. Durchführung von ärztlichen Stippvisiten in die jeweiligen Produktionsbereiche, um die Übersicht und Gemeinschaft
zu erhalten
2. Aufbau einer klaren Kommunikationsstruktur, um Missverständnisse und Frustrationen zu minimieren
3. Raum für Reflexionen geben, um Erkenntnisse und Wunden zu verarbeiten und Reserven für nächste Projekte aufzubauen